Kinderarmut braucht unsere Aufmerksamkeit

Noch immer gibt es keine Gesamtstrategie gegen Kinderarmut. Die Kinder- und Jugendarmut verharrt seit Jahren auf einem hohen Niveau. Trotz langer guter wirtschaftlicher Entwicklung sind die Zahlen kaum zurückgegangen.

Denn Kinderarmut ist seit Jahren ein ungelöstes strukturelles Problem in Deutschland. Die Corona-Pandemie hat die Situation für arme Kinder und ihre Familien weiter verschärft.

Immer wieder fordert der Kinderschutzbund eine Gesamtstrategie gegen Kinderarmut. Bereits 2017 veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung dazu die Studie „Armutsmuster in Kindheit und Jugend“, die herausfand, dass Kinderarmut in Deutschland oft ein Dauerzustand ist.

Danach wächst mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf. Das sind 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland lebten danach über mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage, weitere 10 Prozent temporär.

Armut grenzt aus

Natürlich, oft bedeutet dies nicht unbedingt kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben.

Doch die betroffenen Kinder (insbesondere Kinder von Alleinerziehenden und Familien mit mehreren Kindern) und ihre Familien können sich vieles nicht leisten, was für andere ganz normal zum Aufwachsen und Leben dazu gehört. Mangel und Verzicht sind an der Tagesordnung, soziale und gesellschaftliche Teilhabe Fehlanzeige.

Das macht etwas mit diesen Kindern.

Oft wissen die Familien nicht, ob das Geld bis zum Monatsende reicht. Immer rechnen, immer planen, keine Möglichkeit etwas zu sparen. Freunde zum Essen einladen, neue Kleidung, ein neuer Schulranzen sind finanziell nicht drin! Zoobesuch, Schwimmbad, Kino, einfach mal ein Eis essen gehen, undenkbar!

Armut beeinflusst Psyche der Kinder

Am Rand einer so wohlhabenden Gesellschaft zu leben, ohne daran teilhaben zu können, immer draußen zu stehen, verändert die Psyche dieser Kinder und ihren Blick in die Zukunft nachhaltig. Dies hat auch für die Gesellschaft erhebliche negative Folgen.

Gesamtstrategie gegen Kinderarmut

Die Vermeidung von Kinderarmut muss gerade jetzt politisch Priorität haben. Sie erfordert neue sozial- und familienpolitische Konzepte. Die Kindergrundsicherung steht bereits im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung. Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne!

Aber der Aufbau einer spezifischen „Kinder“- Infrastruktur, die konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an verschiedenen Entscheidungen und die Absicherung ihrer finanziellen Bedarfe durch die Kindergrundsicherung gehören zusammen. Deshalb benötigen wir eine Gesamtstrategie gegen Kinderarmut!

Quellen: https://www.bertelsmann-stiftung.de, https://www.dksb.de

Kinderarmut macht einsam! Foto: istock | Fotograf: kieferpix